Nachhaltige Flugkraftstoffe für Geschäftsreisen: Wer kauft sie - und wer nicht?
Der Kauf von nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF) für Geschäftsreisen nimmt rasant zu. Das zeigt eine neue Studie, die soeben von der GBTA Foundation im Rahmen ihrer Acceleration Challenge veröffentlicht wurde.

Der GBTA-Bericht mit dem Titel "Corporate Behavior on Sustainable Aviation Fuel Purchases" stützt sich auf Daten von 58 Organisationen, die an der "GBTA Sustainability Acceleration Challenge" teilgenommen haben. Globale Reiseprogramme mit Netto-Null-Verpflichtungen sind demnach Vorreiter bei der SAF-Einführung - ermöglicht durch ein effektives Emissionsmanagement, eine interne CO2-Bepreisung und flexible Kaufoptionen.
Wer kauft heute SAF?
- Der Kauf von SAF-Zertifikaten nimmt zu: 20% der Reiseprogramme werden in diesem Jahr SAF-Zertifikate erwerben, um die Emissionen von Geschäftsreisen zu reduzieren – ein Anstieg von 30% gegenüber dem Vorjahr. Darüber hinaus gibt es eine Gruppe von potenziellen Käufern (11%), die innerhalb eines Jahres einen Kauf planen.
- SAF-Käufer weisen klare, gemeinsame Merkmale auf: Unternehmen mit hohem Reiseaufkommen und starken Klimaneutralitätsverpflichtungen sind führend bei der SAF-Einführung. Technologie-, Transport- und Reiseunternehmen sowie Pharma- und Biowissenschaftsunternehmen stellen dabei den Großteil der aktuellen Käufer dar, da diese Branchen stark auf Flugreisen angewiesen sind und erhöhte Erwartungen an den Klimaschutz stellen.
- Große, globale Reiseprogramme dominieren: Organisationen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern oder jährlichen Reiseausgaben von über 50 Millionen US-Dollar tätigen den Großteil der heutigen SAF-Käufe. Ein signifikanter Anteil betreibt globale Reiseprogramme und profitiert von zentralisierten Richtlinien, harmonisierter Berichterstattung und marktübergreifender Überwachung, was die SAF-Beschaffung erleichtert.
Was ermöglicht die Einführung von SAF?
Die Studie identifiziert drei Hauptfaktoren, die SAF-Käufer konsequent von Nicht-Käufern unterscheiden:
- Strenge Emissionserfassung, -berichterstattung und Zielsetzung: Unternehmen, die SAF beziehen, erfassen und berichten überwiegend über die Emissionen aus Geschäftsreisen. Viele haben auch spezifische interne Reduktionsziele. Diese Praktiken helfen, die Auswirkungen zu quantifizieren, die Wirtschaftlichkeit zu untermauern und Verantwortlichkeit zu schaffen, die zum Handeln anregt.
- Interne CO2-Bepreisung als praktisches Finanzierungsinstrument: 20% der SAF-Käufer nutzen ihre interne CO2-Bepreisung mit einer durchschnittlichen Gebühr von 95 US-Dollar pro Tonne. Dieser Mechanismus übersetzt Emissionen in finanzielle Werte, generiert Mittel zur Unterstützung der Beschaffung und signalisiert das Engagement des Unternehmens.
- Flexible und leicht zugängliche Beschaffungskanäle: Mehr als die Hälfte der Käufer beziehen SAF über Direktprogramme von Fluggesellschaften, wodurch der Prozess durch vereinfachte Vertragsabwicklung und die Bereitstellung verlässlicher Emissionsdaten erleichtert wird. Andere diversifizieren ihre Bezugsquellen über Kraftstoffhersteller, Einzelhändler, Käuferallianzen oder Reisebüros – ein Beweis dafür, dass Unternehmen, die mit SAF beginnen, vielfältige Einstiegsmöglichkeiten haben.
Was bremst die Unternehmen aus?
Das Interesse an SAF wächst zwar, die Nutzung ist aber noch begrenzt. Der Bericht hebt die wichtigsten Hindernisse hervor:
- Kostensensibilität und geringe Zahlungsbereitschaft: Die meisten Unternehmen – sowohl Käufer als auch Nicht-Käufer von SAF – sind nicht bereit, mehr für nachhaltige Reiseoptionen zu zahlen, obwohl eine Erhöhung der Flugpreise um 5 bis 10% die SAF-Produktion erheblich unterstützen kann.
- Unsicherheit bezüglich Standards und künftiger Anrechnungsregeln: Fast die Hälfte der Unternehmen ist sich weiterhin unsicher, ob SAF-Zertifikate auf die Emissionsreduktionsziele angerechnet werden. Jüngste Entwürfe von Leitlinien der Klimastandardsetzer könnten Abhilfe schaffen, doch die bisherige Unklarheit hat die langfristige Planung gebremst.
- Bei kleineren Programmen besteht eine begrenzte interne Bereitschaft: Unternehmen ohne etabliertes Emissionstracking, zentralisierte Reiseverwaltung oder Nachhaltigkeitsbudgets verfügen oft nicht über die notwendigen Grundlagen, um die Beschaffung von SAF zu initiieren.
Ein entscheidender Moment für den SAF-Markt
"Unsere Untersuchungen zeigen zwar, dass der Anteil der Unternehmen, die derzeit SAF kaufen oder dies beabsichtigen, steigt. Aber erst durch eine anhaltende Nachfrage der Unternehmen wird SAF sich endgültig als praktikable Lösung etablieren und vom Reich der Ambitionen zur Realität werden", betonte Delphine Millot, Leiterin der GBTA Foundation, bei der Vorstellung des Berichts auf dem "Sustainable Aviation Futures MENA Congress" in Dubai.
Für die GBTA Foundation bleibt SAF jedenfalls der vielversprechendste Hebel zur kurzfristigen Reduzierung der Emissionen im Luftverkehr. Daher rief sie 2025 auch "SAF Corporate Connect" ins Leben. Diese Initiative soll der Geschäftsreisebranche ein Forum bieten, um Wissen, Erfahrungen und Erkenntnisse auszutauschen. "Mit klareren Richtlinien, niedrigeren Markteintrittsbarrieren und einer besseren Ausbildung könnten viel mehr Unternehmen weltweit den Weg beschreiten, SAF in ihre Dekarbonisierungsstrategien zu integrieren", so Millot. Der vollständige Bericht „SAF Insights“ ist hier zu finden. (red)



